Mallett: Nicht den Humor verlieren

Mallett: Nicht den Humor verlieren

30. Januar 2019 Aus Von Stefan

Böhme Zeitung vom 25.01.2019

Vor zwei Jahren hat Sven Mallett sich einen neuen Schläger zugelegt. Seitdem spielt der Bezirksklassenakteur des TTC 93 Soltau mit langen Noppen auf der Rückhand. Am 4. November 2016 – kurz vor dem Wechsel des Rackets – hatte er mit 11:7, 8:11, 9:11, 11:7, 11:3 gegen Mario Schaardt von der SG Bomlitz-Lönsheide II gewonnen. Danach legte die Nummer drei der Soltauer eine Serie hin, die ihresgleichen sucht. 17 Mal ging es für Mallett im Einzel in den entscheidenden fünften Satz – und bei sämtlichen Anläufen musste er dem Gegner zum Sieg gratulieren. 0:17 – „Fünfsatzfluch“ nennt TTC-93-Kapitän Gerd Lüdemann-Schulz das augenzwinkernd. Mallett selbst sagt, dass ihm seine plötzlichen Schwierigkeiten in engen Spielen erst nach und nach aufgefallen seien. „Fünf, sechs, sieben – da zählt man schon mit“, gibt er zu. Dass er mittlerweile allerdings schon bei 17 angekommen ist und der letzte 3:2-Erfolg mehr als zwei Jahre zurückliegt, sei ihm selbst nicht bewusst gewesen. Gewonnen hat er freilich öfter. Wenn, dann aber in drei oder vier Abschnitten. „Ich hatte auch schon Matchbälle im fünften Satz“, sagt er. Nur zum Sieg hat es eben nie gereicht. Mitunter spielten sich kuriose Szenen ab, geradewegs so, als hätte sich alles gegen den 43-Jährigen verschworen. „Netzroller, Kantenbälle. Einmal wollte mein Gegner bloß mit dem Schläger sein Gesicht vor dem Ball schützen“, erinnert er sich. Die Kugel traf das Racket zufällig und landete auf Malletts Tischseite. Und wieder war es nichts mit dem ersehnten Fünfsatzsieg. „Man begegnet dem Ganzen irgendwann natürlich auch mit ein bisschen Ironie“, sagt Mallett. „So bierernst wie vor 20 Jahren sehe ich Tischtennis nicht mehr.“ Aber „es nervt schon total“, gibt er nach einer kurzen Denkpause zu. Als Mitarbeiter im Außendienst eines Kosmetikherstellers ist er oft auf den Straßen Norddeutschlands unterwegs. Viel Zeit zum Nachdenken – natürlich auch über Tischtennis, diese Leidenschaft, die bei ihm schon als Kind begann. Bis zu seinem 19. Lebensjahr war Mallett beim MTV Soltau aktiv, ehe er 1994 zum Lokalrivalen wechselte. Auch Tennis hat er mal gespielt. Gab es da vielleicht auch mal Probleme im Tiebreak? Sorry, aber diese Frage muss erlaubt sein. Mallett lacht. „Nein! Das lief eigentlich immer“, sagt er entschlossen. „Überhaupt war es mein ganzes Leben eigentlich stets ausgeglichen. Auch die engen Spiele.“ Bis die kuriose Serie ihren Lauf nahm. Doch zurück zum unerwünschten Grübeln. Mallett versucht es mit Ablenkung. Im Dienstwagen genauso wie am Tisch. „An abstruse Dinge denken, die nichts mit Tischtennis zu tun haben“, erklärt er schmunzelnd. Auch seine Lebensgefährtin und das Kind daheim bringen ihn auf andere Gedanken. In dieser Saison schien es sich zunächst halbwegs zum Guten zu wenden. Zwar gab es in der Hinserie keine Fünfsatzsiege, aber auch keine einzige Niederlage im finalen Abschnitt. Ist man vielleicht manchmal geneigt, lieber vorher zu verlieren, als wieder beim Stand von 2:2 in die Crunchtime zu müssen? „Habe ich wirklich schon manchmal gedacht“, sagt Mallett ehrlich. Zum Rückrundenauftakt ging es dann aber wieder los. Zwei Fünfsatzpleiten gegen Bomlitz II. Schaardt war an diesem Tag allerdings nicht dabei. Vielleicht liegt es ja doch am neuen Schläger – zeitliche Parallelen sind ja durchaus vorhanden … Mallett wiegelt entschieden ab. „Ohne die Noppe wäre ich gar nicht erst so oft in den fünften Satz gekommen“, sagt er. Der Rückhandbelag bleibt also, auch wenn der Schläger schon manchmal nach einer Niederlage in die Ecke geflogen ist. „Irgendwann lacht man nicht mehr. Aber ich lasse auf alle Fälle nichts Erlaubtes unversucht“, sagt er. Und auf den Moment, an dem es heißt „3:2 für Sven Mallett“ können sich seine Teamkollegen, die ihm immer wieder Mut zusprechen, jetzt schon freuen. „Dann gebe ich auf alle Fälle einen aus“, verspricht er. Nur nicht den Humor verlieren – „dann wird es irgendwann schon klappen“. Nächste Gelegenheit: heute im Auswärtsspiel bei den früheren Kollegen des MTV Soltau.

Ole Rottmann für die Böhme-Zeitung